Das Projekt HTML online
Mit dem Inkrafttretendes Gleichstellungsgesetzes am 1. Mai 2002 in Deutsschland ist auch in Österreich das Interesse am "Webdesign for all", also dem "Zugang für alle", erfreulicherweise gestiegen. Blindenorganisationen und deren Bildungsstätten werden von Projektverantwortlichen und Webdesignern zu diesem Thema konsultiert und um Unterstützung bei der Umsetzung der WAI-Richtlinien sowie um Tests ihrer Seiten gebeten.
Was liegt also näher, als blinde und sehbehinderte Computeranwender darin zu schulen, Webseiten auf ihre Accessibility und Usability zu prüfen und Vorschläge zur Optimierung der Webseiten zu machen?
Auf dieser Basis hat das Berufsbildungs- und Forschungszentrum (BBFZ) in Zusammenarbeit mit dem Berufsförderungsinstitut (bfi) Wien im Herbst 2002 einen Webdesignerkurs angeboten, an dem vier blinde und sehbehinderte Interessenten teilgenommen haben. Vermittelt wurden solide Kenntnisse in HTML, CSS und Projektmanagement ebenso wie Grundlagen in Javascript sowie die Verwendung von Hilfsprogrammen, zum Beispiel zum Konvertieren von Grafiken.
Unter der engagierten Anleitung des Trainers Friedrich Einsiedler (bfi) haben drei der Kursteilnehmer (Mag. Beate Hattinger, Eva Papst und John Sotto-Terrazas) entschieden, das während einer derartigen Ausbildung durchzuführende Projekt in den Dienst der Sache selbst zu stellen und den ersten Schritt in Richtung HTML-Onlinekurs zu setzen. HTML online zu lernen ist keineswegs neu; neu ist jedoch, dass bei Abfassung der Lektionen auf die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Anwender besonders eingegangen wird. Wer den blauen Hintergrund, die vergrößerte Schrift oder eine rechts oben positionierte Grafik nicht unmittelbar wahrnehmen kann, bedarf besonderer Hinweise, wie er beispielsweise durch Interpretation des Quelltextes, ohne WYSIWYG, das Layout erfassen und kontrollieren und damit auch selbst erzeugen kann. Auf diese Weise entsteht Schritt für Schritt ein "Browser im Kopf", der gelegentlich den Quelltext korrekter interpretiert als so manche Software.
Und nun hoffen die Autoren auf Rückmeldung in Form von Verbesserungsvorschlägen, Anregungen und Bestätigungen für die Optimierung und Fortführung dieser Pionierarbeit.
Der gelegentlich gestellten Frage: wie Blinde und Sehbehinderte überhaupt ein so stark visuelles Medium wie das Internet in den Griff bekommen sollen, halten wir entgegen: Wer sonst sollte beurteilen können, ob ein Internetauftritt den Anforderungen modernen Webdesigns im Hinblick auf Accessibility und Usability gerecht wird?